Bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfen
Bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfen tragen zum Verbleib in der vertrauten Häuslichkeit und im gewohnten sozialen Umfeld bei. Dabei erhalten Ältere und je nach Ausgestaltung auch andere Generationen Unterstützung von engagierten Mitmenschen vor Ort. Nachbarschaftshilfen stärken den sozialen Zusammenhalt, fördern gegenseitige Unterstützung und tragen dazu bei, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben können. Sie ergänzen bestehende soziale und pflegerische Unterstützungsangebote.

Einleitung
Nachbarschaftshilfen verfügen über einen festen organisatorischen Rahmen und richten sich mit ihren Hilfeleistungen an alle älteren Bürgerinnen und Bürger im Einzugsbereich. Die Vermittlung von Hilfen erfolgt durch eine Koordinationskraft oder ein Team, das Hilfesuchende mit ehrenamtlich Engagierten zusammenbringt und die Einsätze organisiert.
Mögliche Hilfeleistungen
Die Nachbarschaftshilfen legen individuell fest, für welche Unterstützungsleistungen sie zur Verfügung stehen und in welchem Umfang diese erbracht werden. Die Hilfe kann dabei einmalig oder regelmäßig erfolgen – je nach Bedarf und den Möglichkeiten der Nachbarschaftshilfe.
Unterstützungsmöglichkeiten können sein:
- Besuchsdienste
- Einkaufshilfen
- Fahr- und Begleitdienste
- Kleine Hilfen in Haus und Garten
- Organisation von Treffs, Vorträgen oder Ausflügen
- Vorübergehende Hilfen, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt
- Beratung und Information zum Thema Älterwerden
Planung und Aufbau
Für den Aufbau einer organisierten Nachbarschaftshilfe sind verschiedene Planungsschritte zu beachten.
Organisierte Nachbarschaftshilfen haben eine Rechtsform (Träger). Diese schafft verlässliche organisatorische Rahmenbedingungen, gewährleistet unter anderem Versicherungsschutz und Finanzierung und stärkt das Vertrauen der Hilfesuchenden sowie der ehrenamtlich Engagierten.
Dabei sind verschiedene Formen einer Trägerschaft denkbar:
- Kommune: die Kommune übernimmt die Trägerschaft und stellt organisatorische Rahmenbedingungen sicher (z. B. Versicherungsschutz).
- Verein: hier bietet sich die Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e. V.) an. Die Nachbarschaftshilfe ist damit inhaltlich und organisatorisch eigenständig. Der Verein übernimmt die Aufgaben des Trägers und stellt die Anforderungen des Vereinsrechts sowie die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen sicher.
- Sozialer Träger: Anbindung der Nachbarschaftshilfe an einen bestehenden Träger wie beispielsweise Kirchengemeinde, Wohlfahrtsverband, Sozialverband oder eine andere soziale Einrichtung.
Es sind auch Kooperationen mehrerer Träger möglich, beispielsweise zwischen der Kommune und der Kirchengemeinde. Durch die Bündelung von Ressourcen können organisatorische Aufgaben gemeinsam wahrgenommen werden und die Akzeptanz der Nachbarschaftshilfe in der Bevölkerung gestärkt werden.
Um Hilfeleistungen zu koordinieren und Angebote zu organisieren, benötigt eine Nachbarschaftshilfe eine Koordinationskraft oder ein Koordinatoren-Team. Diese Aufgabe kann hauptamtlich oder ehrenamtlich geleistet werden.
Zu den Aufgaben der Koordinatorinnen oder / und Koordinatoren gehören beispielsweise:
- Gewinnung, Schulung und Begleitung von Helferinnen und Helfern
- Ansprechpartner sein für Hilfesuchende
- Vermittlung und Koordinierung von Hilfeleistungen
- Öffentlichkeitsarbeit zur Bekanntmachung des Angebots
- Dokumentation der Einsätze und andere administrative Tätigkeiten
Für eine verlässliche Koordination der Nachbarschaftshilfe sollten eine regelmäßige Erreichbarkeit sowie die erforderlichen personellen und organisatorischen Rahmenbedingungen sichergestellt werden. Über Informationsmedien wie Flyer, Homepage oder Social Media-Auftritte kann kontinuierlich über das Angebot und die Kontaktmöglichkeiten informiert werden. Zunehmend kommen auch digitale Anwendungen wie Apps zum Einsatz, die die Organisation und Vermittlung von Hilfen unterstützen können. Sie stellen jedoch eine sinnvolle Ergänzung dar und ersetzen den persönlichen Kontakt sowie eine feste Ansprechperson nicht.
Die Erbringung der Hilfeleistungen erfolgt i. d. R. ehrenamtlich. Um das Engagement langfristig zu sichern, sollten die Helferinnen und Helfer fachlich begleitet und in ihrem Einsatz unterstützt werden. Ebenso wichtig ist eine gelebte Anerkennungskultur, die das ehrenamtliche Engagement wertschätzt und die Motivation der Engagierten stärkt.
Werden im Rahmen der Nachbarschaftshilfe Fahrdienste im privaten Pkw angeboten, wird den ehrenamtlich Engagierten in der Regel eine Aufwandsentschädigung gewährt. Dabei sind die Hinweise des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales zum Angebot ehrenamtlicher Fahrdienste durch bürgerschaftlich getragene Nachbarschaftshilfen zu beachten.
Download Merkblatt Fahrdienste.
Förderung und Eckpunkte
Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gewährt eine Anschubfinanzierung für den Aufbau einer bürgerschaftlich engagierten Nachbarschaftshilfe in Höhe von bis zu 10.000 € für einen Zeitraum von zwei Jahren (Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter – SeLa”). Ziel ist es, tragfähige, verlässliche Strukturen zu schaffen, die ehrenamtliches Engagement stärken und begleiten.
Damit können beispielsweise gefördert werden:
- Angemessene Personalkosten, z. B. für eine Koordinationskraft
- Angemessene Sachkosten für notwendige Ausstattungsgegenstände
- Angemessene Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit
Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Förderung:
Rechtsgrundlagen Seniorenpolitik | Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
Die grundlegenden Anforderungen und Rahmenbedingungen sind im Eckpunktepapier des Bayerisches Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales festgelegt. Dieses dient als wichtige Orientierung für Träger und Initiativen. Hier finden Sie weiterführende Informationen Thema:
Eckpunktepapier bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfen: Eckpunkte bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfen
Die Koordinationsstelle berät Sie zur Förderung und unterstützt Sie bei der Antragstellung.
Umsetzung
Die erfolgreiche Umsetzung einer Nachbarschaftshilfe lebt von guter Zusammenarbeit, klaren Abläufen und kontinuierlichem Austausch.
Eine enge Einbindung in bestehende lokale Netzwerke erhöht die Wirksamkeit und Sichtbarkeit der Nachbarschaftshilfe und trägt dazu bei, sie als festen Bestandteil der örtlichen Daseinsvorsorge zu etablieren.
Dazu kann beitragen:
- Zusammenarbeit mit der Kommune, Seniorenvertretungen und sozialen Einrichtungen
- Einbindung in regionale Netzwerke und Arbeitskreise
- Abstimmung mit bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten
- Regelmäßiger Austausch mit relevanten Akteuren vor Ort
Eine gute Vernetzung schafft Synergien, vermeidet Doppelstrukturen und trägt dazu bei, Hilfesuchende schnell und passgenau zu unterstützen.
Praxisbeispiele zeigen anschaulich, wie vielfältig Nachbarschaftshilfe durch bürgerschaftliches Engagement gestaltet werden kann. Sie verdeutlichen unterschiedliche Wege der Umsetzung und zeigen, welche Ansätze sich bewährt haben. Gleichzeitig bieten sie Anregungen, erfolgreiche Ideen aufzugreifen und an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.
[Bild einfügen – siehe Bilder-Auflistung]
Die Koordinationsstelle Wohnen im Alter bietet für die Nachbarschaftshilfen, die die SeLA-Förderung erhalten haben, jährlich Vernetzungstreffen an. Diese fördern das gegenseitige Kennenlernen und den fachlichen Austausch.
Protokolle der Vernetzungstreffen der letzten Jahre:
Austauschtreffen 2024
Austauschtreffen 2025
Austauschtreffen 2026
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