Wohnberatung
Eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Wohnung ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstständiges Leben im Alter. Eine Wohnberatung unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, ihre Wohnsituation frühzeitig an sich verändernde Lebensumstände anzupassen. Durch die Beseitigung von Barrieren und die Umsetzung geeigneter Wohnraumanpassungen können Unfälle vermieden, die Selbstständigkeit erhalten und Pflegebedarfe hinausgezögert werden. Als hauptamtliches Angebot trägt die Wohnberatung dazu bei, dass Menschen möglichst lange sicher und selbstbestimmt in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können.

Mögliche Tätigkeiten
Die Wohnberatung ist eine interdisziplinäre Schnittstelle, die Fachwissen aus Architektur, Handwerk, Ergotherapie, Pflege und Sozialpädagogik bündelt. Als Beratungsstelle wird darüber hinaus auch eine praktische Unterstützung von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung im Haus gewährleistet.
- Wohnungsbegehung und Identifikation von Barrieren
- Beratung zu Alltagshilfen und technischen Assistenzsystemen
- Aufzeigen von Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten
- Unterstützung bei der Umsetzung von (Umbau-)Maßnahmen.
Digitale Wohnberatung
Nicht jede Beratungssituation ermöglicht einen Hausbesuch – etwa wenn Angehörige die Wohnraumanpassung unterstützen möchten, aber nicht am Wohnort der betroffenen Person leben. Digitale Angebote ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zu Informationen und können eine persönliche Beratung sinnvoll ergänzen.
Ein Praxisbeispiel ist die Digitale Wohnberatung München. Mithilfe virtueller Wohnungsrundgänge und anschaulicher Beispiele können Interessierte verschiedene Lösungen zur Wohnraumanpassung kennenlernen. Das digitale Beratungsangebot eignet sich insbesondere:
- zur ersten Orientierung,
- zur Sensibilisierung für mögliche Barrieren,
- zur Vorbereitung einer individuellen Beratung,
- zur Information von Angehörigen und Fachkräften.
Es erweitert die Reichweite des Angebots und ermöglicht einen orts- und zeitunabhängigen Zugang zu Informationen.
Darüber hinaus findet sich dort eine Übersicht über alle Wohnberatungsstellen in Bayern.
Planung und Aufbau
Für den Aufbau einer Wohnberatung sollten die einzelnen Planungsschritte sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Dabei ist es sinnvoll, an bereits bestehende Strukturen und Angebote vor Ort anzuknüpfen und diese bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
- Bedarf ermitteln und Rückhalt sichern: Am Anfang steht die Analyse der lokalen Angebotsstruktur. Da isolierte Einzellösungen für kleinere Gemeinden oft wirtschaftlich und personell schwer tragbar sind, empfiehlt sich von Beginn an die Planung auf Landkreisebene oder in einem interkommunalen Verbund.
- Bestehende Strukturen nutzen und Trägerschaft wählen: Ideale Träger oder Kooperationspartner sind beispielsweise das Landratsamt, Pflegestützpunkte, lokale Seniorenämter, Mehrgenerationenhäuser oder etablierte Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege.
Das Tandem-Modell: Hauptamt stärkt Ehrenamt
Die personelle Struktur einer (SeLa-geförderten) Wohnberatungsstelle ruht idealerweise auf zwei Säulen. Die Basis bildet eine hauptamtliche Fachkraft aus dem Bereich Sozialpädagogik, Ergotherapie, Bauwesen oder ähnliches. Diese Kraft absolviert zudem die Fortbildung zur zertifizierten Wohnberatung der Bundesarbeitsgemeinschaft wohnungsanpassung e. V. (BAG).
Die zweite Säule bilden geschulte ehrenamtliche Wohnberaterinnen und Wohnberater. Nach einer Grundqualifizierung übernehmen sie eine wichtige Lotsenfunktion in der Gemeinde: Sie kommen mit älteren Menschen ins Gespräch, informieren über Möglichkeiten der Wohnraumanpassung und führen erste Wohnungsbegehungen durch. Die Qualifizierung der Ehrenamtlichen kann über die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Wohnberatung Bayern erfolgen.
Förderung und Eckpunkte
Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gewährt eine Anschubfinanzierung für den Aufbau neuer Wohnberatungsstellen für einen Zeitraum von zwei Jahren in Höhe von bis zu 40.000 € (Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter – SeLa”).
Hier finden Sie weiterführende Informationen zur Förderung:
Rechtsgrundlagen Seniorenpolitik | Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
Die grundlegenden Anforderungen und Rahmenbedingungen sind im Eckpunktepapier des Bayerisches Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales festgelegt. Dieses dient als wichtige Orientierung für Träger und Initiativen. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema:
Eckpunktepapier Wohnberatung: Eckpunkte Wohnberatung des Bayerischen Sozialministeriums (PDF)
Die Koordinationsstelle berät Sie zur Förderung und unterstützt Sie bei der Antragstellung.
Umsetzung
Eine erfolgreiche Wohnberatung arbeitet eng mit lokalen Netzwerkpartnerinnen und -partnern zusammen. Dazu gehören Kommunen, Wohnungsunternehmen, Pflege- und Sozialdienste, Sanitätshäuser, Handwerksbetriebe, Seniorenvertretungen, Nachbarschaftshilfen sowie weitere Beratungsangebote. Durch diese Vernetzung können individuelle Lösungen entwickelt und Betroffene gezielt an passende Unterstützungsangebote vermittelt werden.
Wohnraumanpassung wird besonders greifbar, wenn sie direkt erlebt werden kann. Musterwohnungen zeigen praxisnah, wie altersgerechtes und barrierearmes Wohnen umgesetzt werden kann.
Besucherinnen und Besucher können dort:
- barrierefreie Bad- und Küchenlösungen kennenlernen,
- technische Assistenzsysteme ausprobieren,
- Hilfsmittel im Alltag testen,
- Anregungen für die eigene Wohnsituation erhalten.
Die Musterwohnungen richten sich insbesondere an ältere Menschen, Angehörige, ehrenamtlich Engagierte, Fachkräfte sowie Handwerkerinnen und Handwerker. Sie eignen sich zudem hervorragend für Informationsveranstaltungen und Schulungen.
Heute gibt es in Bayern Musterwohnungen in allen Regierungsbezirken: zwei in Oberbayern sowie jeweils eine in Niederbayern, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, Schwaben und in der Oberpfalz. Eine Auflistung finden Sie unter: https://www.stmas.bayern.de/wohnen-im-alter/wohnberatung/index.php.
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e. V.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e. V. ist ein bundesweites Netzwerk von Wohnberatungsstellen, Fachkräften und Organisationen, die sich für barrierefreies Wohnen und den Abbau von Wohnbarrieren einsetzen. Ihr Ziel ist es, älteren Menschen und Menschen mit Teilhabeeinschränkungen ein möglichst selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung und im vertrauten Wohnumfeld zu ermöglichen.
Die BAG fördert die Qualität der Wohnberatung, entwickelt Schulungs- und Qualitätsstandards, bietet Fortbildungen an und unterstützt den Aufbau sowie die Vernetzung von Wohnberatungsangeboten in Deutschland. Darüber hinaus engagiert sie sich für bessere Rahmenbedingungen in Politik, Wohnungswesen und Quartierentwicklung.
Angebote der BAG:
- Informationen rund um barrierefreies und selbstbestimmtes Wohnen
- Qualifizierung und Vernetzung von Wohnberaterinnen und Wohnberatern
- Fachliche Arbeit zu Wohnungsanpassung, Technikberatung und Quartierentwicklung
- Vermittlung von Wohnberatungsstellen vor Ort
- Bereitstellung von Arbeitshilfen, Publikationen und Praxisbeispielen.
Bayerische Architektenkammer
Ergänzend können bestehende Angebote wie die Beratungsstellen Barrierefreiheit als Kooperationspartner eingebunden werden. Sie bieten kostenfreie Erstberatungen zu Fragen der Barrierefreiheit im Wohnumfeld und können bei baulichen Maßnahmen unterstützen.
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